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Werke > Masnawi


Die Komposition Masnawi wurde im März 1909 fertiggestellt – die Dichtung besteht aus 6.423 kurdischen Versen, die in 68 Abschnitte unterschiedlicher Länge zusammengefasst sind. Als er diese Lektionen in Spiritualität und Ethik verfasste, verfolgte Hadj Nemat das Ziel, die Aufmerksamkeit des Lesers auf die göttliche Anrufung zu lenken und sich zurückzuziehen von der materiellen Welt und ihrem Streben.

Im Kontext von 31 Geschichten, die alle umfänglich Rat und Zuspruch enthalten, führt er den Leser in verschiedene Stufen des spirituellen Pfads ein und macht ihn mit den wesentlichen Eigenschaften vertraut, die auf dem Weg zu Gott erworben bzw. vermieden werden sollten. Dabei legt er besonderen Wert auf Aufrichtigkeit, Bescheidenheit, das Einhalten des Treueschwurs, Glaube, das Vermeiden von Materialismus und das Abwenden von der Suche nach Reichtümern. Er unterstreicht dies, indem er auf den spirituellen Wert dieser Punkte eingeht und sie wiederholt als zentrale Eigenschaften eines spirituell Suchenden bezeichnet. Eigenschaften, die im Kontrast dazu stehen, wie Heuchelei, Täuschung, Prahlerei, Hochmut, Aufkünden des Treueschwurs, Streben nach Materiellem, Unehrlichkeit und Unterwerfung unter das Herrschsüchtige Selbst greift er harsch an. Aufgrund seiner tiefen Liebe zu Ali finden sich inmitten dieser Erläuterungen immer wieder auch Lobpreisungen von Alis Tugenden.

Unter den mehr als 6.000 Versen kurdischer Poesie gibt es drei Stellen, an denen der Autor Verse und Geschichten bewusst auf Persisch formuliert hat; dies verdeutlicht, wie bewandert er sowohl in der persischen als auch der kurdischen Dichtung war. Er zitiert des Weiteren zahlreiche Quellen von anderen Dichtern und Autoren sowie Koranverse und Zitate aus islamischen Traditionen zur Unterstützung seiner Ratschläge – was von der Tiefe und Breite seines Wissens und von der Vertrautheit mit den Werken anderer Autoren, den Islamwissenschaften und dem Koran zeugt.

Hadj Nemats anregender Schreibstil fesselt die Aufmerksamkeit des Lesers das gesamte Werk hindurch. Nicht nur, dass er die Geschichten in seinem besonderen und angenehmen Stil erzählt – er lässt sie auch so überlappen, dass eine Geschichte beginnt, bevor eine andere endet, was die konstante Aufmerksamkeit des Lesers fordert. Zuweilen sind es bis zu vier Geschichten, die er ineinander verwebt. Diese Art des Geschichtenerzählens erhöht nicht nur die Attraktivität des Erzählten, sondern zwingt den Leser, bis zur letzten Minute mit wachem Geist dabei zu sein – als ob er von den Fesseln des Zeitlichen befreit wäre, ohne jegliche Wahrnehmung, wie die Zeit verstreicht. 



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