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Zeugenberichte


 

Von Ostad Elahi, Hadj Nemats Sohn

„Mein Vater war sehr kompromisslos in Bezug auf alles, was den Respekt gegenüber anderen Menschen berührt. Im übrigen hat er sehr viel Sorgfalt aufgewendet, um mir eine moralische Erziehung zukommen zu lassen. Ich war noch ein Kind, als mein Vater mich eines Tages zurechtwies und sagte: ‚Geh hinaus!‘ Eine ältere Frau, die bei uns arbeitete, fragte mich: ‚Mein Kleiner, was hast Du getan, dass Dein Vater…?‘ – aber ich fuhr sie an, bevor sie noch ihren Satz beenden konnte und sie verstummte. Ein wenig später brachte mir einer der Derwische folgende Nachricht meines Vaters: ‚Selbst wenn ich Dir den ersten Fehler verzeihe, so werde ich das mit dem zweiten nicht tun, der darin besteht, diese alte Frau zu verletzen – außer Du kannst es wiedergutmachen und ihre Vergebung erlangen.“

 „Eines Tages hatten wir uns nach Darband begeben, das in der Region von Sahneh liegt. Der Gouverneur der Region kam in Begleitung einiger Führungspersönlichkeiten der Ahl-e Haqq und man hatte sie unter einem Sonnendach untergebracht, um sie vor der sengenden Sonne zu schützen. Alle anderen saßen im Freien. Als mein Vater kam, fragte er: ‚Wieso sitzen sie im Schatten und der Rest in der Sonne? Wo ist hier ein Unterschied? Schnell, entfernt das Sonnendach!‘ Das wurde in solcher Eile erledigt, dass es auf die darunter stehenden Personen herabstürzte. Mein Vater aber entschuldigte sich nicht dafür, vielmehr ermahnte er sie mit den Worten: ‚Wie können Sie akzeptieren, im Schatten zu sitzen, während die anderen in der prallen Sonne warten? In welcher Hinsicht sind sie anders als sie? Sind wir nicht alle aus Fleisch und Knochen gemacht?‘“


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